Implizites vs. Explizites Wissen Semantische Infrastruktur

Die Unterscheidung zwischen implizitem und explizitem Wissen beschreibt den Gegensatz zwischen nicht artikuliertem Erfahrungswissen und formal ausgedrücktem, kommunizierbarem Wissen. Eine semantische Infrastruktur überbrückt diese Kluft systematisch.

Implizites und explizites Wissen in der semantischen Infrastruktur

Die Unterscheidung zwischen implizitem und explizitem Wissen, geprägt durch Michäl Polanyi und weiterentwickelt durch Nonaka und Takeuchi, ist für die semantische Infrastruktur von grundlegender Bedeutung. Explizites Wissen ist in Texten, Datenbanken, Ontologien und Dokumenten festgehalten und kann direkt verarbeitet werden. Implizites Wissen existiert in den Köpfen von Experten, in organisationalen Routinen und in unausgesprochenen Annahmen, die nie formalisiert wurden.

Die Aufgabe einer semantischen Infrastruktur ist es, möglichst viel relevantes implizites Wissen in explizites zu überführen. Nonaka bezeichnet diesen Prozess als Externalisierung. In der Ontologie-Entwicklung werden Kompetenzfragen genutzt, um implizites Domänenwissen von Experten zu erheben und in formale Strukturen zu überführen. Für die Content-Strategie bedeutet dies, dass die besten Inhalte entstehen, wenn Experten ihr implizites Wissen artikulieren und in Textform zugänglich machen.

LLMs haben durch ihr Training auf großen Textkorpora implizites Wissen in parametrischer Form gespeichert, das sie bei der Textgenerierung aktivieren, ohne es explizit referenzieren zu können. Die Open World Assumption in der Ontologie-Entwicklung berücksichtigt, dass es immer mehr implizites Wissen gibt als explizit modelliert ist. Für Unternehmen ist der Verlust impliziten Wissens durch Fluktuation ein Risiko, dem durch Wissensmanagement-Systeme begegnet wird. Der Grad, zu dem ein Unternehmen sein implizites Wissen externalisiert hat, ist ein Indikator seiner semantischen Reife.