Formalisierungsgrad Semantische Infrastruktur
Der Formalisierungsgrad beschreibt, wie präzise und maschinenverarbeitbar Wissen in einer Wissensrepräsentation ausgedrückt ist. Die Skala reicht von natürlicher Sprache bis zu formaler Logik in OWL-Ontologien.
Formalisierungsgrad als Architekturentscheidung
Der Formalisierungsgrad ist ein zentrales Konzept beim Aufbau semantischer Infrastrukturen, da er bestimmt, welche Art von automatischer Verarbeitung und Schlussfolgerung möglich ist. Am unteren Ende der Skala steht natürliche Sprache, die maximale Ausdruckskraft bietet, aber für Maschinen schwer zu interpretieren ist. Am oberen Ende stehen formale Ontologien in OWL DL oder OWL Full, die exakte logische Schlussfolgerungen ermöglichen, aber schwer zu erstellen und zu pflegen sind. Dazwischen liegen kontrollierte Vokabulare, Taxonomien, Thesauri und leichtgewichtige Ontologien mit verschiedenen Graden an Formalität.
Die Wahl des angemessenen Formalisierungsgrades hängt vom Anwendungsfall ab: Für eine Website reicht oft Schema.org-Markup, für eine medizinische Wissensbasis ist eine formale Ontologie nötig. Ein häufiger Fehler ist Über-Formalisierung, bei der mehr Formalität angestrebt wird als der Anwendungsfall erfordert, was zu hohem Pflegeaufwand ohne proportionalen Nutzen führt. In der Content-Strategie manifestiert sich der Formalisierungsgrad in der Entscheidung zwischen freitextlicher Beschreibung und strukturierten Daten.
Für die Interaktion mit Suchmaschinen erhöht ein höherer Formalisierungsgrad die Entity Understandability, da Maschinen strukturierte Informationen leichter verarbeiten können. Der Formalisierungsgrad sollte iterativ erhöht werden, beginnend mit grundlegenden Strukturen, die dann schrittweise verfeinert werden. In der Praxis der semantischen Infrastruktur koexistieren verschiedene Formalisierungsgrade, da unterschiedliche Inhalte und Anwendungsfälle unterschiedliche Grade erfordern.