Closed World Assumption Semantische Infrastruktur
Die Closed World Assumption ist das Prinzip, dass alles, was nicht explizit als wahr in einer Wissensbasis gespeichert ist, als falsch angenommen wird. Sie herrscht in relationalen Datenbanken und vielen traditionellen Informationssystemen.
Die Closed World Assumption in der Datenmodellierung
Die Closed World Assumption (CWA) ist das vorherrschende Prinzip in relationalen Datenbanken und vielen traditionellen Informationssystemen. Wenn eine Kundendatenbank keinen Eintrag für eine bestimmte Telefonnummer enthält, wird unter der CWA angenommen, dass der Kunde diese Nummer nicht hat. Die CWA ermöglicht Negation durch Abwesenheit, was für viele praktische Anwendungen nützlich ist und effiziente Abfragen erlaubt.
In der Ontologie-Entwicklung wird die CWA typischerweise nicht verwendet, da OWL-Ontologien der Open World Assumption folgen. Es gibt jedoch Erweiterungen und Workarounds, die CWA-ähnliches Verhalten in Ontologien ermöglichen, etwa durch explizite Negation oder geschlossene Klassen. SHACL (Shapes Constraint Language) bietet eine Möglichkeit, CWA-ähnliche Validierungsregeln auf RDF-Daten anzuwenden.
Für die semantische Infrastruktur ist die bewusste Entscheidung zwischen OWA und CWA eine grundlegende Architekturentscheidung, die beeinflusst, wie Daten modelliert, abgefragt und interpretiert werden. In der Praxis kombinieren viele Systeme beide Ansätze: Die Ontologie folgt der OWA für Schlussfolgerungen, während die Datenvalidierung CWA-basierte Regeln anwendet. Für Content-Strategien ist die CWA relevant, wenn vollständige Auflistungen gewährleistet werden sollen, etwa bei Produktkatalogen oder Servicebeschreibungen.